Reeperbahn meets Silicon Alley

Zum Glück bestand die vergangene Woche nicht nur aus Mäusejagd. Auch wenn es schon bemerkenswert ist, wie das einen wahnsinnig macht.

Endlich habe ich mich körperlich und seelisch berappelt. Ich fühle mich nun richtig wohl hier. Ich genieße es wieder, morgens auf die Straße zu treten, die gelben Taxis an mir vorbei rauschen zu sehen, der allmorgendliche Blick auf das Empire State Building, die Fahrt mit der U-Bahn, die kleinen urtümlichen New Yorker Augenblicke, wie z.B. der wenn plötzlich ein Taxifahrer mitten an der Verkehrsinsel anhält, einen Teppich aus dem Auto holt, gen Mekka auf dem Boden ausrollt und anfängt zu beten. Es gibt einen Moment, den ich ganz besonders lieben gelernt habe: Morgens früh auf dem Weg zum Büro, wenn ich in Midtown die 3rd und 2nd Avenue überquere…diese großen weiten Straßen, die bis zum Horizont, bis in den Himmel führen, davor die gelben Taxis, die rauchenden Schächte und die silbernen Foodcarts, die Muffins und Bagels verkaufen. Dieser Blick, diese Atmosphäre. Das ist New York. Wenn man dann noch so unverschämtes Glück mit dem Wetter hat, wie diese Woche mal wieder, ist das Ganze natürlich noch die Kirsche auf dem Sahnehäubchen.

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Das tolle Wetter wollte ich dann auch am Dienstag unbedingt nutzen, um endlich am „Stargazing at the High Line“ teilzunehmen. Dienstags zwischen Frühjahr und Herbst treffen sich im High Line Park nach Einbruch der Dunkelheit #(Hobby-)Astronomen und stellen ihre Teleskope zur Verfügung. Nun kann ich gerade mal das Sternbild des großen Wagens erkennen, aber faszinierend ist es ja doch. Und es ist ein milder Abend ohne ein Wölkchen am Himmel, also gehe ich hin (trotz Übermüdung Dank Maus). Natürlich nicht, ohne vorher einmal kurz durch den angrenzenden und von mir mittlerweile abgöttisch geliebten Chelsea Market zu schlendern und bei Giovanni Rana wieder ein paar Probierportionen abzustauben (Ravioli in Salbeibutter und Rigatoni in Tomatensauce heute…hmmm). Auch die High Line ist an diesem Abend und um diese Zeit wundervoll. Ich bin der festen Überzeugung, dass es nach der Dämmerung nirgends auf der Welt ein so wunderschönes Nachtblau wie über Manhattan gibt. Dann entdeckte ich die Teleskope. Aha, keine Riesenoschies, aber mal schauen. Ich blicke nach oben. Hm…hinter mir der Mond, hell und mit einer ganz eigenen Eleganz strahlt er über der Stadt. Aber ansonsten…nicht so viele Sterne zu sehen. Doch, da die Venus, die erkennt man. Auf sie sind auch die Teleskope gerichtet. Endlich bin ich an der Reihe und werfe einen Blick durchs Okular. Öhm ja. Den hellen weißen Punkt, den ich vorher ohne Teleskop gesehen habe, sehe ich jetzt als etwas größeren weißen Punkt mit ein paar Regenbogenfarben drum herum. Irgendwie hatte ich mir da mehr erhofft. Woher die Regenbogenfarben kämen, frage ich den Mann am Teleskop. Das seien Schmutzpartikel in den Luftschichten, an denen das Licht gebrochen wird, daher die Farben. Aaaha, schau an. Hab ich sogar eine direkt intelligente Frage gestellt. Aber ansonsten kann ich die kindliche Begeisterung der Herren um mich herum – die übrigens nahezu ausschließlich Damen (und ein paar Kindern) die Sterne zeigen – nicht so ganz teilen. Aber auch das ist irgendwie New York: Aus ziemlich wenig, wird es total „exciting“ aufgebauscht und schon hat man ein Event. Aber was soll’s. Dieser Abendspaziergang war auch so traumhaft und ich werde schon jetzt ganz wehmütig bei dem Gedanken, die High Line samt Chelsea Market ab Januar nicht mehr direkt vor der Haustüre zu haben.

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Am Donnerstag habe ich mich dann selber den Sternen etwas genähert. Naja, fast. Aber es ging für mich endlich mal auf eine Rooftop Bar! Seit Jahren wurde mir im Familienkreis immer wieder gesagt „Geh mal zu 230 Fifth!“, aber ich war letztlich nie dort. Nun gab es über die Arbeit die Einladung zum Event „Hamburger Reeperbahn meets Silicon Alley“ (das, was an der Westküste das Valley ist, ist hier die Alley). Eine Delegation um den Hamburger Senator Horch, bestehend aus Leuten der Reedereibranche (die blaue Gruppe), Ökologie (die grüne Gruppe) und IT (die schwarze Gruppe) und noch ein paar Medienhanseln. Networking. Oh Graus. Und meine Kollegen können nicht mit. Aber ich will doch mal in die Bar. Ich nehme also all meinen Mut zusammen und registriere mich und gehe allein. Dort angekommen, werde ich zum Aufzug dirigiert. Ein älterer Herr steigt mit mir in den Aufzug. Hm, hab ich den heute nicht schon mal gesehen? Und tatsächlich. Wir saßen nachmittags in der gleichen Beiratssitzung. Ich sags ja, New York ist ein Dorf. Aber so hatte ich immerhin jemanden, mit dem ich reden konnte. Auch er gestand, dass er eigentlich gar nicht zu dem Event direkt wollte, aber nun schon seit fast 30 Jahren hier lebt und noch nie hier oben war und die Chance wollte er nutzen. Wir unterhalten uns eine Weile auf dem Dachgarten, hinter uns das golden erstrahlende Empire State Building und das platinfarben funkelnde Chrysler Building. So lerne ich dann etwas über seinen Tech-Inkubator in Brooklyn. Alles Dinge, von denen ich vorher nie gehört hatte und nix damit zu tun, aber es ich finde es einfach spannend so viel neues zu hören. Genau das, was ich mir auch von dem Schritt über den großen Teich erhofft hatte. Mein Ich ballt freudig die Beckerfaust (abwechselnd mit Kloppo-Jubel). Mein Magen freut sich auch, reichen doch eifrige Kellner doch ständig „ouuudouuuufreeeeiiii“ (hors d’oeuvres ;-)). Minipizzen mit Trüffelöl, gebackene Shrimps, Mini-Frühlingsröllchen und so weiter und so fort. Dazu ein Gläschen perlender Champagner. Ach, was sind wir vornehm! Es gesellen sich noch zwei Mädels der Außenhandelskammer, die ich neulich bei einem unserer Veranstaltungen getroffen habe, hinzu. Dann kommt der erste Networker und will uns von seiner tollen Erfindung erzählen. Irgendwas mit weltweitem Radio für Taxifahrer. Leider hat er wohl schon zu viel Gebrauch von den Freigetränken gemacht, sodass man seinem Vortrag nicht mehr ganz folgen kann. Aber immerhin trollt er sich dann wieder. Schließlich werden wir hinein gerufen. Dort gibt es nun das Dinner-Buffet und man setzt sich bunt gemischt an irgendwelche Tische. Mittlerweile ist auch meine Chefin aufgetaucht und ich folge ihr wie ein Schoßhündchen an den Tisch. So lande ich dann neben einem Herren der maritimen Gruppe, der das Ebenbild meines früheren Englischlehrers ist. Er hält sich an seiner Bierflasche fest (zu viel Fingerfood gegessen und nicht mitbekommen, dass es noch Buffet gibt. Ts..Anfänger..) und erzählt mir von seiner Firma. Und dass er eigentlich nur bei der Reise dabei ist, um die anderen Hamburger kennen zu lernen und dabei zu sein, aber sonst gibts da eigentlich keinen Grund. Was ihn aber nicht daran hindert 5000 Euro für den Flug und nochmal 350 Euro pro Nacht fürs Hotel hinzublättern. Tja, wer hat, der hat. Kann man ja von der Steuer absetzen. Der Senator ist auch ganz begeistert in seiner Begrüßungsrede, die er dankenswerterweise größtenteils auf Deutsch hält (sein Englisch hat er offenbar bei Zugbegleitern der Deutschen Bahn gelernt) und stellt fest: „Auch wenn wir erst seit vier Stunden hier sind, kann ich schon sagen, die Reise ist ein Erfolg! Ich bin auch sehr begeistert, wie interessiert Sie alle sind.“ Alle schauen sich etwas entgeistert an und ich habe nun endgültig das Gefühl in einen übergroßen Schulausflug geraten zu sein, bei dem der Lehrer die Kinder lobt. Gegen halb zehn werden die lieben Kleinen in Ihren teuren Maßanzügen dann auch wegen Ihres Jetlags in die Heia geschickt. Ich verabschiede mich ebenfalls ….denn ich muss ja noch in den Baumarkt, Mausefalle kaufen😉

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Am gestrigen Abend kam ich früh nach Hause, die Sonne schien und ich freute mich aufs Bloggen. Bis ich die Tür aufmachte. Ein chemisch-giftiger Gestank schlug mir entgegen. Ich schlug die Tür wieder zu. Zum Glück war ich draußen schon Eddies Gehilfen Alex begegnet, der sollte sich das gleich mal anschauen. Schließlich hatte der Gasherd diese Woche mehrfach ein bisschen komische Geräusche gemacht und als ich Mittwochsabends kochte, schrillte es neben mir los „Fire! Fire! Danger! Warning! Carbon-Monoxide!“ dazu ohrenbetäubendes Gepiepse (ein panischer Anruf bei Eddie ergab, das sei nur wegen dem Kochen und ich solle den Piepser ausstellen und wenn er dann nicht mehr anginge, sei alles okay, ich solle lüften). Als ich raus auf die Straße wollte, sah ich, dass auch gerade Eddie anrückte. Er wurde jedoch schon von einem Mann, der bei mir im Haus wohnt abgefangen. Ich hörte, wie er sich bei ihm entschuldigte, dass sie ihn ständig anmailen und anrufen würden, aber das Gas und überhaupt. Ich dachte mir nur: „Gott sei Dank, bin ich nicht die einzige die hier Terror schiebt.“ Ich nutzte die Gelegenheit und rief raus, dass bei mir auch wieder ein sehr seltsamer Gestank ist. Soso, aha. Er komme gleich, meinte Eddie. Der Mitbewohner kam rein und meinte zu mir ebenfalls „ach bin ich froh, dass ich nicht der einzige bin.“ Dann kam noch eine junge Dame aus Österreich hinzu. Ja, bei ihr sei seit heute die Toilettenspülung defekt und sie warte auch auf Eddie. Wir gründeten spontan im Hausgang eine Selbsthilfegruppe.Dann bummelte ich draußen auf der Straße auf und ab und wartete und unterhielt mich dabei ein bisschen mit Alex, der das Laub wegkehrte. Er hatte vorher mal kurz in die Wohnung reingerochen und auch mit „ooouh wow, there is something wrong!“ wenigstens bestätigt, dass ich nicht spinne. Anscheinend war des Rätsels Lösung dann, dass die „Pilot Lights“, die kleinen Gasflämmchen am Herd, die ständig brennen, auf einmal zu groß geworden waren, wodurch dann irgendwelche chemischen Reaktionen eingesetzt hätten. Aaaha. Schön. Sollten also irgendwann gar keine Blogs mehr folgen, bin ich wohl doch noch samt Haus in die Luft geflogen.

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