Liken, klicken, träumen….

Liebe treue und neue Leser von New York City and Me,
das Buch steht seit einigen Wochen in den Läden oder kann dort zumindest bestellt werden. Zwar nicht über das Barsortiment, aber die engagierten Buchhändler bestellen es euch sicher gerne direkt über Siegloch Distribution! Alternativ könnt ihr auch auf www.buchhandel.de gehen und dort gleichzeitig online einkaufen und euren lokalen Buchhändler unterstützen! Außerdem findet ihr das Buch als eBook auf allen klassischen Plattformen wie Kindle (für US-Kindles klick hier), kobotolinoiTunesGoogle Play oder auch in den USA bei Barnes & Noble! als NOOK book.

Doch das ist noch nicht alles! Seit kurzem gibt es eine eigene Facebook-Seite! Hier poste ich weiterhin alles rund ums Buch, News von den verschiedenen Locations aus dem Buch und dies & das zu unserer Lieblingsstadt! Also kommt vorbei, liket, klickt, kommentiert und träumt euch nach New York!

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Da ist das Ding! Der Blog als Buch und eBook

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Ihr Lieben,

es ist soweit! Proudly presenting….New York City and Me als Buch und eBook! Auf stolzen 456 Seiten Taschenbuch könnt ihr nochmal all eure Lieblingsgeschichten vom Fenster des Grauens oder der turbulenten Thanksgiving-Feier nachlesen. Doch das ist noch nicht alles! Ich habe mich entschlossen, auch noch all jene Geschichten, die es bisher nicht in den Blog geschafft hatten, aber irgendwie doch dazugehören noch zu erzählen. Es erwartet euch also auch als treue Leser noch Neues!  Als kleinen Service gibt’s zudem ein kleines Register mit sämtlichen Shops, Restaurants und Sehenswürdigkeiten, die ich euch in den einzelnen Kapiteln ans Herz lege.

Falls euer Interesse geweckt ist, könnt ihr euch das Taschenbuch entweder direkt hier beim Verlag bestellen (dann landen auch ein paar Cent mehr in meinem Sparschwein😉 ): oder mittels der ISBN 978-3-7375-7758-8 auch beim (Online-)Buchhändler eures Vertrauens.
Wer es lieber digital mag, bekommt hier das Werk als hübsches eBook ebenfalls direkt vom Verlag oder kann mit dieser ISBN bei anderen eBook-Plattformen das Büchlein downloaden: 978-3-7375-7864-6
Viel Spaß beim Lesen und frohe Adventszeit euch allen!

Epilog – You can check out any time you like, but you can never leave

Ja, jetzt erschrickt vielleicht so mancher von euch. Nach so langer Zeit plötzlich wieder eine E-Mail mit dem Hinweis, dass es einen neuen Eintrag in diesem Blog gibt. Auch wenn ja letztlich vieles anders gekommen ist, als erhofft und ich den Blog nicht mehr wie geplant bis zum Ende meines Aufenthalts fortführen konnte, ist er mir (und offenbar einigen anderen Menschen auch, die man Jahre nicht persönlich gesehen oder gesprochen hat, und die plötzlich vor einem stehen und sagen „Dein Blog aus New York war so toll! Ich hab mich immer auf jeden neuen Eintrag gefreut!“) dennoch ans Herz gewachsen. Deswegen habe ich mich entschlossen, meiner ursprünglichen Intention zu folgen und ihn als Buch zu veröffentlichen (ein Hoch auf Self-Publishing! ;-)). Ein würdiges Schlusswort halte ich deshalb für passend.

Außerdem habe ich mir überlegt, dass es den einen oder anderen der geneigten Leserschaft vielleicht interessiert, was seit meinem Aufenthalt in New York passiert ist, wie es mir inzwischen geht und wie der aktuelle Beziehungsstatus zwischen „New York City and Me“ ist.

Die nicht ganz so erfreuliche Nachricht zuerst: Gesundheitlich habe ich nach wie vor mit den mysteriösen Beschwerden zu kämpfen und auch hier in Deutschland eine wahre Odyssee durch die Arztpraxen der Republik hinter mir, die selbst eines Blogs würdig wäre (Ein Highlight: Der Besuch in einer Spezialsprechstunde einer renommierten deutschen Uniklinik endet mit der Empfehlung: „Nehmen Sie doch einfach drei Tage lang drei Paracetamol am Tag und schauen Sie, ob es Ihnen damit besser geht.“).

Doch ich versuche mich davon nicht unterkriegen zu lassen und mein Leben so gut es geht zu leben, mich als Texterin und Redakteurin selbstständig zu machen und mich auf die positiven Dinge, die ich der Krankheit zu verdanken habe, zu fokussieren: So habe ich angefangen, mich mit alten und alternativen Heilmethoden zu beschäftigen und damit vielleicht eine neue Passion gefunden, doch zumindest einfach ein sehr interessantes Thema. Außerdem ist es wohl auch meinem Gesundheitszustand in New York zu verdanken gewesen, dass ich abends nicht die City unsicher gemacht habe, sondern mir die Zeit mit „Quizduell“ spielen vertrieben habe und dabei zufällig einen ganz wunderbaren Menschen (und den besten Hund der Welt ;-)) kennengelernt habe, mit dem ich seit über ein Jahr mein Leben hier in Deutschland teilen darf und dessen Liebe eine phantastische Stütze ist.

Nun ist es über ein Jahr her, dass ich an einem wunderbar sonnigen Samstag tränenüberströmt und schluchzend im Central Park saß, dem James Zeller Trio lauschte, das am südlichen Ende der Mall jazzige Songs trällerte, und nur dachte: „Ich will hier bleiben!“ Selten habe ich mir mehr gewünscht, die Zeit anhalten zu können. Doch ich wusste, in nicht einmal 24 Stunden würde ich zum letzten Mal vor meinem Wohnhaus stehen, ein Taxi herbeiwinken und mit zittriger Stimme „JFK, Terminal 4, please.“ sagen. Und so kam es. Wie betäubt saß ich neben meiner Mutter im Wagen und als wir uns dem Flughafen näherten und ich zum letzten Mal die Skyline durch die Heckscheibe sah, kullerten wieder dicke Tränen die Wange hinab.

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Als ich einige Stunden später in Frankfurt wieder deutschen Boden unter den Füßen hatte, kam ich mir einfach nur fehl am Platz vor. Fremd im eigenen Land. Was sollte ich eigentlich hier? Zum Glück war mir schon vorher bewusst, dass Auswanderer (auch auf Zeit) häufig einen zweiten Kulturschock erleben, wenn sie wieder zurückkommen. Und so gab ich mir Zeit. Akzeptierte, dass ich noch wochenlang alles und jeden bewusst oder unbewusst mit New York verglich. Doch nach und nach bin ich wieder in Deutschland angekommen: Ich bleibe wieder bei Rot an der Ampel stehen, empfinde die hiesigen Lebensmittel auch wieder als normalpreisig bis teuer und habe die englischen Wörter in meiner Alltagssprache auf ein für meine Umwelt („Schatz, sprich Deutsch mit mir!“) erträgliches Maß gedrosselt.

Doch was für das Hotel California gilt, stimmt definitiv auch für New York: You can check out any time you like, but you can never leave. So geht es zumindest mir. Und es ist weit mehr als nur der berühmte New-York-Virus. New York ist noch immer Teil meines Herzens, meines Ichs. Auch wenn meine Zeit in New York nun schon über ein Jahr her ist, schwingt sie immer noch in mir nach. Wenn auch nicht mehr so laut und vordergründig wie in den ersten Wochen und Monaten nach meiner Rückkehr, so doch deutlich wahrnehmbar. Besonders des Nachts in meinen Träumen bin ich noch sehr oft in New York, im Deutschen Haus, in meiner New Yorker Wohnung, in den Straßen der Stadt. Noch immer besteht ein Großteil meiner Garderobe aus Klamotten, die ich einst tütenweise aus Buffalo Exchange geschleppt habe. Meine Einkäufe hier trage ich gerne in meiner „I❤ NY"-Tasche oder meinen Trader Joe's- und Amy's Bread-Taschen durch die Gegend. In meinem E-Mail-Account bekomme ich heute noch regelmäßig E-Mails, die mich wissen lassen, wer im Madison Square Garden oder B.B. King Blues Club auftritt, welche Inszenierung beim New York City Ballet auf dem Programm steht – und natürlich auch, was für Veranstaltungen im Deutschen Haus anstehen.

Auf meinem MP3-Player habe ich sämtliche CDs, die ich mir im Laufe der Zeit bei den verschiedenen Straßenmusikern gekauft habe, abgespeichert. Wenn ich heute mit der Bahn oder dem Fernbus durchs Land rausche, stecke ich mir die Kopfhörer in die Ohren, drücke auf Play und schließe die Augen. Und schon bin ich wieder in New York. Schon stehe ich wieder vor dem chinesischen Cello-Spieler am zugigen Subway-Bahnsteig in der 53. Straße und lausche den melancholischen Klängen, die durch das Poltern der Bahnen unterbrochen werden. Schon tanze ich wieder an der Union Square Station zu den feurigen Klängen des Gitarren-Duos und sehe den Regenbogen vor mir, der mir damals kurz zuvor Hoffnung gegeben hatte, dass doch alles gut werden würde. Und schon sitze ich auch wieder auf der Parkbank im Central Park in der Junisonne und lausche dem James Zeller Trio, ganz ohne Tränen, denn ich weiß, dass ich im Herzen immer noch in New York bin.

Und manchmal hole ich die große Abercrombie & Fitch Tüte vom Schrank, die mit ihren feschen Jungs schon mein erstes Apartment in Chelsea aufhübschte. Heute sind die Adonisse Hüter über meine gesammelten Andenken. So sitze ich dann auf dem Sofa und ziehe Erinnerung für Erinnerung aus der Tasche: die Einladung zur edlen Feier zum Tag der Deutschen Einheit im Boat House (ich erzähle heute noch immer, dass ich mit Ban Ki-Moon auf einer Feier war, auch wenn ich ihn nicht gesehen habe, haha.), die Winkefähnchen der Steubenparade, das Zuckertütchen und Streichholzheftchen aus dem Café Lalo, die Eintrittskarte zum Rehearsal der Tonight Show with Jimmy Fallon, die Speisekarte meines Lieblingsinders, das Namensschildchen von der Silvesterfeier hoch über dem Times Square, das Paar heimlich nachgemachte Schlüssel aus dem Chelsea-Apartment und vieles mehr. Manchmal kann ich es dann selbst nicht glauben, dass ich das alles erlebt und gelebt habe. Mir wird warm ums Herz und mir wird auch ein bisschen schwer ums Herz. Dann packe ich alles wieder in die Tasche und verstaue mein New Yorker Leben wieder auf dem Schrank.

Ich weiß noch nicht, wann ich wieder nach New York fliegen werde. Der momentane Euro-Dollar-Wechselkurs lädt nicht wirklich zu einer Reise ein. Auch habe ich manchmal ein bisschen Angst: Wird die Sehnsucht nicht noch größer werden? Werde ich meine geliebte zweite Wohnung nicht noch viel mehr vermissen, wenn ich vor dem Haus stehe, aber nicht mehr hinein kann? Zudem: Nicht nur hier bei mir in Deutschland ist das Leben weitergegangen – auch in New York. Vieles hat sich verändert: Chrissy, dank der ich am Times Square Silvester feiern durfte, ist nach Ohio gezogen, meine liebe Kollegin Katharina gar an die Westküste, wiederum andere sind nach Deutschland zurückgekehrt. Selbst Erin und Garry verbringen mittlerweile die Hälfte ihrer Zeit in Florida und ziehen in Kürze von Hell’s Kitchen nach Brooklyn, da ihnen ihre Wohnung gekündigt wurde. Doch das Schöne daran: Ich wüsste das alles nicht, hätte ich keinen Kontakt mehr, zu all den Menschen, die untrennbar mit meiner Zeit in New York verbunden sind. Doch glücklicherweise ist dem nicht so. Im Gegenteil: Erst neulich habe ich drei Stunden mit meiner früheren Kollegin Jennifer geskypt, zu meinem Geburtstag bekam ich eine lange Mail von David, dem neuseeländischen Kameramann, der immer unsere Events gefilmt hat – und Garry und Erin versichern mir wöchentlich über Facebook, wie sehr sie mich lieben, vermissen und mich gerne wieder in New York oder Florida in die Arme schließen würden.

Und so sage ich heute, trotz aller Widrigkeiten, mit einem Lächeln und ein bisschen Stolz: Ja, ich habe in New York gelebt.

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Dank: Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die mich vorher ermutigt haben, den Schritt zu wagen, mir während meiner Zeit in New York aus der Ferne zur Seite standen und mich nach meiner Rückkehr wieder aufgenommen und mich unterstützt haben. Außerdem natürlich bei allen Lesern dieser Zeilen. Ich hoffe, es hat euch gefallen.

Lebenszeichen

Hallo zusammen,

nachdem sich mehrere zu Wort gemeldet haben, dass sie sich Sorgen um mich machen, wollte ich wenigstens ein Lebenszeichen von mir geben. Ja ich lebe noch. Ja ich bin noch in New York. Aber wirklich leben tue ich leider nicht mehr in New York. Mein Alltag spielt sich zwischen Bett, Büro und diversen Arztpraxen ab, da es mir nach wie vor sehr elend geht und nach wie vor niemand eine Ahnung hat, woher meine Symptome kommen und alle bisherigen Tests mir eine bombastische Gesundheit attestieren…. Leider dauert auch alles eine Ewigkeit und das amerikanische Gesundheitssystem wird seinem Ruf mehr als gerecht. So warte ich seit 2 Wochen auf die Ergebnisse eines wichtigen Bluttests, ja aber da muss erst der liebe Herr Doktor draufschauen und dann kann man mir die Ergebnisse sagen, der liebe Herr Doktor ist aber erst am Montag wieder da und dann sind viele Patienten da, ich kann also am Dienstag anrufen. So geht es nun seit Wochen, die Zeit rast dahin und die Angst was mit mir los ist und die große Trauer und Wut darüber, dass das, was die tollste Zeit meines Lebens werden sollte und es auch absolut wäre (die Stadt! der Job! die Freunde, die ich mittlerweile gefunden habe! das neue Apartment, das ich liebe (okay….der Erfinder der Steamheating gehört gekreuzigt, aber sonst…)), wenn meine Gesundheit mir nicht gerade das meiste davon kaputtmachen würde, liefern sich ein Wettrennen darüber, was schlimmer ist. Ich versuche also weiterhin rauszufinden, was mit mir los ist und zu versuchen zu kämpfen und die Stadt so gut es geht dennoch zu genießen und darauf zu hoffen, der ein oder andere liebe Mensch, der mir Mut macht recht hat, wenn er sagt, dass im Frühjahr wenn alles erblüht und sprießt, auch meine Lebensgeister wieder zurückkehren.

Ich versuche mich mal an einem kleinen Recap dessen, was passiert ist in den letzten zwei Monaten und sich außerhalb irgendwelcher Medical Center abgespielt hat. Da war zum Beispiel das Elton John Konzert im Madison Square Garden am 4. Dezember. Etwas unglücklich getimt von mir, da am gleichen Tag die Tree Lightening Ceremony des wohl berühmtesten Weihnachtsbaumes der Welt, dem vor dem Rockefeller Center, stattfinden sollte. Aber nunja, da hätte ich mich mal vorher besser informieren sollen und so musste jemand ohne mein Beisein auf den Lichtschalter drücken und ich würde mich derweil bei dem kleinen – ebenfalls sehr bunt glitzernden – Engländer vergnügen. Es war nicht mein erster Besuch im MSG, der lag schon 5 Jahre zurück (damals bei meinem ersten NY Besuch…New York Knicks gegen die Dallas Mavericks und Dirk Nowitzki scorte 39 Punkte!!!, eines der tollsten NY Erlebnisse überhaupt, noch heute Dank an die Organisatorin damals…)  aber der erste nach dem Umbau (dazu gleich noch ein Wort). Als ich also vom Büro direkt in den MSG kam, war ich erst einmal etwas überrascht. Denn während in der U-Bahn noch lauter New Yorker und Touris waren, waren innendrin…nunja..wie soll man sagen: Amerikaner. Oder wie meine Mutter in solchen Situationen zu sagen pflegt „Das Land hat Ausgang!“ Auf einmal sah man sie: Die Damen und Herren, deren BMI die gesunde Grenze weit überschritten hatte, die Baseballmützen, die hellblauen Karotten-Jeans mit weißen Turnschuhen, die Dauerwellen. Aber nun gut, die können vielleicht „trotzdem“ ordentlich Stimmung machen. Als die Türe zum Saal sich öffnen, reihe ich mich ein in den Strom und fahre mit der Rolltreppe einige Etagen nach oben – denn ich habe ein Ticket im Oberrang. Während ich so fahre, denke ich noch: Das is so cool hier, mit den Rolltreppen. Tja, um es vorweg zu nehmen: Die Coolness währt genau so lange wie die Dinger funktionieren. Nach dem Konzert waren sie nämlich ausgefallen und tausende Leute mussten über die Rolltreppen nach unten laufen. In dem Moment war ich äußerst froh, dass kein Notfall war…denn wirklich voran kommt man nicht.

Ich suchte mir jedenfalls meinen Platz und oh mein Gott! Ich habe nun wirklich keine extreme Höhenangst, aber da mir an dem Abend gerade wieder so schwindelig war (und seit diesem Abend sollte der Schwindel nie mehr gehen…..) war es wirklich extrem. Beim Basketball saßen wir auch weit oben, aber es wirkte nicht so extrem. Hier jedoch – wow! Und dabei gibt es noch die „Brücke“ die nochmal freischwebend über uns hing mit Sitzen. Also Warnung an alle, die da etwas empfindlich sind: Tickets nur im unteren Bereich kaufen!!!! Neben mir nahmen dann nach kurzer Zeit zwei Damen Platz. Mit irgendwelchen hochprozentigen Mixgetränken in der Hand. Das kann ja heiter werden, dachte ich. Aber die beiden, wohl Anfang 50,waren schon heiter. Sie waren aus New Jersey hergekommen. Sind extra früh los gefahren aus Angst vor Stau und waren dann aber doch schon um 12.00 in der Stadt und haben dann verschiedene Bars besucht (anderweitig kann man seine Zeit in der Stadt ja auch nicht rumbringen..)…Und dann ging es auch schon los, anch kurzer Vorgruppenmusik rockte dann Elton an seinem Klavier die Bühne. Es war wirklich toll, nicht megaspektakulär, aber einfach gute Musik und man hatte das Gefühl der Mann war mit Spaß bei der Sache!

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Eine Woche später stand der Abend dann ganz im Zeichen von New Yorker Weihnachtskitsch. Mit meiner Kollegin Jennifer schaute ich mir nicht nur endlich den Baum am Rockefeller Center an (wo an diesem Abend unter Woche kaum Trubel herrschte und man ausgiebig Fotos machen konnte). Und ich muss sagen: Hat schon was! Obwohl ich eigentlich bunte Beleuchtung gar nicht mag, aber doch, der hat was. Noch schöner allerdings fand ich die Engels-Dekorationen an den Blumenbeeten Richtung 5th Avenue. Danach ging es dann in die Radio City Music Hall zu den Rockettes und dem Christmas Spectacular. Ich wusste eigentlich gar nicht was mich erwarten würde und so saß ich auf meinem Plüschsessel und ließ mich überraschen. Und es war wirklich ein Spektakel. Santa Claus führt als Conferencier   durch den Abend. Zinnsoldaten und Lebkuchen und sonstige Weihnachtsbrimboriumcharaktere tanzen, dann gibt es ein bisschen Moralgeschichte (welches Geschenk ist das richtige für die Tochter? Mutter und Tochter waren übrigens Afroamerikanisch, also super politically correct!) und am Ende nochmal die „echte“ Weihnachtsgeschichte mit Stern von Bethlehem und echten Kamelen auf der Bühne. Als hätten die Producer Dalli Dallo zur Frage „Was fällt dir zu Weihnachten ein?“ gespielt. Dazwischen tanzen die Rockettes, die berühmte Tanztruppe, die es nun seit 80 Jahren gibt mit einer unglaublichen Perfektion und Synchronität, dass es einen begeistern muss und er einfach gerne lange Frauenbeine in hohen Schuhen sieht, hat hier auch seine helle Freude.

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Weihnachten…es war ein seltsames Weihnachten. Weit weg von daheim. Krank. Allein. Meine Eltern hatten mir ein paar kleine Präsente über den großen Teich geschickt und so saßen wir dann an Heiligabend vor den Laptops und der Webcam und haben Skype-Bescherung gefeiert. Meine Eltern im heimeligen so wohlvertrauten Wohnzimmer, ich im kargen Apartment, in dem ich nur noch eine Woche verbringen würde, das mich vielleicht mit seinem dicken schwarzen Schimmel unter den Fließen vergiftet und krank gemacht hat. Am Nachmittag machte ich mich dann auf Richtung Madison Square Park. Ein Shake Shack Burger als Weihnachtsessen. Da saß ich frierend am Tisch unter dem Heizpilz, der nicht heizte. Ich stieg wieder in die U-Bahn, weiter Richtung 5th Avenue. Während ich die Straße entlang lief, geschüttelt von Schwindelattacken, Richtung Rockefeller Center und St. Patrick’s Cathedral, kullerten mir die Tränen die Wange herunter. Nein, so hatte ich mir das alles nicht vorgestellt. Ich knipste nochmals den Baum (heute brodelte es) und ging dann zur St. Patrick’s Cathedral. Nun muss ich gestehen, dass ich schon recht lange kein Gotteshaus mehr von innen gesehen habe und mich von dem Verein in Deutschland offiziell verabschiedet habe, aber irgendwie war ich neugierig mal eine amerikanische Weihnachtsmesse zu erleben. Glücklicherweise ergatterte ich auch einen guten Platz ziemlich weit vorne mit schöner Sicht auf das Geschehen. Leider ist die Kirche aktuell innen komplett eingerüstet, was dem ganzen so ziemlich die sakrale Atmosphäre nimmt. Auch sonst war ich die meiste Zeit damit beschäftigt das Dröhnen und Pochen einer Migräneattacke in meinem Kopf zu verdrängen und wegzumassieren. Ich lauschte den Gebeten, der Predigt, den Liedern. Als schließlich Stille Nacht, Heilige Nacht – auf deutsch! – angestimmt wurde, war es dann um mich geschehen. Ich war nur noch ein schluchzendes Häufchen Elend, dass sich dann schnellstmöglich auf den Heimweg gemacht hat.

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Am nächsten Tag, dem Christmas Day, stand dann der „Orphan Christmas Fun“ an, den eine Freundin von Garrys Mitarbeiter Alex organisiert hatte. Sie lud einfach Leute ein, die hier in New York weit weg von Familie und Freunden (also quasi Waisen) Weihnachten verbringen. Und so trafen sich dann in ihrer Wohnung ein Ire, eine Holländerin (Garrys Praktikantin Sophie), eine Chinesin (die Gastgeberin), ein Pole (Alex), eine Deutsche (moi,,,,) und eine Amerikanerin mit Deutschen Vorfahren. Wir futterten gemeinsam, schauten Weihnachtsfilme (Elf und Tatsächlich Liebe), spielten Spiele und schauten dem Hamster zu, wie er in einer Laufkugel durch die Wohnung strampelte.

Am letzten Weihnachtsfeiertag gönnte ich mir nochmal Kultur. Ein paar Tage zuvor hatte ich mir eine Restkarte für „The Nutcracker“ vom New York City Ballett im Lincoln Center ergattert. Und da saß ich nun. Natürlich wieder, wie könnte es anders sein, mit mega Migräne und schaute der Darbietung auf der Bühne zu. Ich hatte das Stück bereits vor einigen Jahren im Nationaltheater in Prag gesehen. Wenn ich nun von der Preis-Leistung an die Sache rangehe…von dem Preis, den ich in NY für das Ticket bezahlt habe, kann ich von Deutschland nach Prag fliegen, schön Abend essen und noch ins Ballett (das hat damals nämlich umgerechnet unglaublich 2,50 Euro – in Worten: zwei euro fünfzig) gekostet und war wunder wunder schön. Hier war die Inszenierung auch sehr schön, das Bühnenbild, der Tanz, die Musik – toll! Leider erzählten sie die Geschichte jedoch nicht zu Ende und das Stück endete im Palast und Klara wacht gar nicht mehr aus dem Traum auf….Garrys Kommentar dazu: „Ja was glaubst du? Das kostet alles extra Geld und länger als 2 Stunden können New Yorker eh nicht aufpassen, dann wird ihnen langweilig.“

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Und was kommt nach Weihnachten? Richtig, Silvester! Und wo, weiß jeder New Yorker, dard man diesen Abend um Himmels Willen NICHT verbringen? Richtig! Am Times Square. Wo verbrachte meine Wenigkeit Silvester? RIchtig! Am Times Square. Aber nein, ich war nicht so bescheuert, in Eiseskälte 10h ohne ausreichend Proviant, ohne Toilette, ohne irgendwas in Gattern wie Schafe auszuharren, um dann zu sehen wie eine Glaskugel sich langsam senkt. Ich hatte das unverschämte Glück, dass die Orphan Christmas Fun Gastgeberin in einem Büro direkt am Times Square arbeitet und sie durften an diesem Abend ins Büro und Gäste mitbringen. D.h. gegen Acht Uhr trafen sich Sophie und ich an der 42. Straße, hatten unsere Einladung ausgedruckt (im nachhinein hätten wir da selber was bei photoshop zusammenbasteln können…) und kämpften und durch die Polizeiabsperrungen. Ein großartiges Gefühl! Ungefähr 6 mal mussten wir Polizeibeamte davon überzeugen, dass wir eine Einladung haben und weiter dürfen. Wir kamen unserem Ziel näher und näher. Und dann hatten wir es geschafft. Times Square Nummer 7. Chrissy war bereits am Nachmittag angerückt und hatte einen kleinen Konferenzraum blockiert für uns. Schaute man auf der einen Seite raus blickte man von hinten direkt auf die Kugel, den „Ball“, und den Times Square, schaut man zur anderen Seite raus erstrahlten dort Chrysler und Empire State Building. Und so saßen wir dann da, mampften Chips und Schokolade, streamten über YouTube „Dinner for One“ (ein bisschen deutscher Kultur-Unterricht für die anderen :D) , verpassten vor lauter filmen und fotografieren den eigentlichen Countdown, spielten bis nachts um drei Montagsmaler. Dann machte ihc mich auf, lief 10 Blocks zu Garry und Erins Wohnung, wo ich auf dem Sofa nächtigen durfte, bevor ich am nächsten morgen nochmal zur Highline bin bevor ich aus meinem verhassten Apartment ausgezogen bin.

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Das ist nun genau einen Monat her. Seitdem gab es ein paar Winterstürme. Aber wirklich dramatisch war das zumindest hier nicht. Ja, es war verdammt kalt. Aber soooo viel Schnee wars nun wirklich nicht. Da lacht jeder Schwarzwälder oder Bayer dreimal herzlich. Die haben allerdings auch Winterreifen, was der gemeine Ami nicht hat. Und so rutschen sämtliche Autos nach drei Flocken und kriechen die Straßen entlang und es wird gehupt und gehupt und gehupt.  Interessanterweise ist der New Yorker Schnee ganz anders als der deutsche…irgendwie so ganz künstlich, krisselig, luftig. Auch anders ist hier das Streusalz. Sie salzen ordentlich, allerdings sind das so kleine Kügelchen (so groß wie Zuckerliebesperlen), die sich kaum auflösen. Statt auf dem Eis schlittert man also die ganze Zeit auf Kügelchen umher.

Letztes Wochenende habe ich mich dann schließlich gezwungen, das Sofa zu verlassen und mich mal wieder raus zu trauen, genau genommen in den Central Park. Denn es war schon immer mein Traum, den Central Park im weißen Schneegewand zu erleben. Ich habe zwar nur einen kleinen Teil geschafft, bevor ich erschöpft und halb erfroren war, aber der Teil war wunderwunderschön!

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In diesem Sinne….ich hoffe und bete, dass ich irgendwann wieder gesund werde und mehr wunderwunderschöne Erlebnisse habe, die ich dann hier gerne wieder mit euch teilen werde.

 

Liebe Steuerzahler

Man kann der Bundesregierung ja sicher oft unsinnige Geldverschwendung vorwerfen, aber dass das Auswärtige Amt unser sauer verdientes Geld für überbordende Weihnachtsdeko raushaut, kann man nun wirklich nicht behaupten. Hier die zwei riiiiiiiiesigen Weihnachtsbäume im Deutschen Haus (einmal im Restaurant, einmal im Foyer)

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